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DIE VERTREIBUNG DER SALZBURGER EXULANTEN 1731/32

Wenn man an die Vertreibung der Protestanten aus dem Salzburger Land denkt, muss man erst einmal wissen, dass das damalige Österreich diesen Teil des Landes noch nicht umfasste, sondern Salzburg bis 1816 (Wiener Kongress) ein unabhängiger katholischer Kirchenstaat war. Schon um 1528 waren Luthers Thesen auch nach Salzburg gekommen und hatten auch dort für Aufregung unter den Gläubigen und der kirchlichen Obrigkeit gesorgt. Der damalige Kardinal Matthäus Lang von Wellenberg zeigte jedoch Verständnis für die Kritik an der Kirche und schritt erst ein, als der Dichter und Gelehrte Paulus Speratus direkt in der Stadt Salzburg öffentlich Luthers Lehre verkündet. Er wurde des Landes verwiesen, aber die Saat der Reformation war bereits aufgegangen. Als weitere Gegenmassnahme wurde der Pfarrer Georg Scherer im April 1528 durch Enthauptung hingerichtet, seine Leiche anschliessend verbrannt. Andere Priester evangelischen Glaubens wurden ebenfalls eingesperrt oder des Landes verwiesen. Aber dies nützte wenig. Das freiheitsliebende Bergvolk im Salzburger Land wollte von der neuen Lehre nicht mehr lassen. Als Erzbischof Matthäus Lang starb, versuchten seine Nachfolger einen Weg der Versöhnung einzuschlagen und unterliessen es deshalb die Protestanten weiter zu verfolgen.

Erst als der Jesuitenschüler Max Gandolf von Kuenburg im Jahre 1668 den Thron des Salzburger Fürstbischofs bestieg, wurde die Gegenreformation wieder konsequent fortgesetzt. Als Kunde aus dem Ort Dürrnberg (heute: Bad Dürrnberg) und dem Deferegger Tal nach Salzburg kam, dass die dort eingesetzten katholischen Priester verhöhnt wurden und das Volk sich weigerte an katholischen Messen teilzunehmen, musste Max Gandolf reagieren. Bisher hatte man auf die im nahen Salzbergbau beschäftigten Männer Rücksicht genommen, denn ihre ertragreiche Arbeit war lebenswichtig für die Finanzen des Staates. Aber für die Obrigkeit war die Schmerzgrenze erreicht. Man liess wie erwähnt die Anführer Joseph Schaitberger, Matthias Kammel und Simon Lindtner verhaften und nach Salzburg bringen. Trotz Folter schwörten die Männer der neuen Lehre nicht ab und wurden im Jahre 1686 des Landes verwiesen. Ihre Frauen durften sie mitnehmen, ihre Kinder wurden katholischen Pflegeeltern in Obhut gegeben.

Die Vertreibung der Salzburger 1731/32

Ein Sendbrief von Joseph Schaitberger

Im Jahre 1727, lange Jahre nach Schaitbergers Ausweisung, übernahm in Salzburg Erzbischof Leopold Anton Freiherr von Firmian die Regierung. Zu dessen Beratung stand der Hofkanzler Rall zur Seite, der es verstand aus protestantischem Ungehorsam der Bevölkerung einen Aufstand herbeizureden. Auch die Kirche in Rom verlangte langsam ein härteres Vorgehen gegen die Missstände im Erzbistum. Als sich die protestantischen Stände ausserhalb Salzburgs an den österreichischen Kaiser wandten, um ihn um Hilfe für ihre Glaubensgenossen zu bitten, reagierte die Salzburger Obrigkeit. Die lokalen Rädelsführer wurden verhaftet, gefoltert und dem Aufruf zur Revolution bezichtigt. Um die Lutheraner endgültig loszuwerden, unterschrieb Erzbischof Leopold im August 1731 ein sogenanntes Emigrationspatent und verfügte die Ausweisung der Protestanten aus dem Salzburger Land.

Menschen ohne Haus- und Grundbesitz mussten innerhalb von 8 Tagen verschwinden, die anderen hatten 3 Monate Zeit. Nach Ablauf dieser Frist sollten bei Bedarf Soldaten die Menschen aus ihren Unterkünften holen und notfalls mit Gewalt über die Grenze bringen. Als besonderer Akt der Gnade galt dabei, dass sie ihre Kinder mitnehmen durften. In mehreren Zügen verliessen die ersten Salzburger Exulanten ihre Heimat und zogen nach Bayern und Württemberg. Der bayerische Herrscher versuchte noch durch die Sperrung der Grenze das Unvermeidliche aufzuhalten, liess aber, als er die Hoffnunglosigkeit der armen Menschen in der Winterkälte erkannnte, diese ins Land.

Der Wintermarsch 1731. Ein Zug von Exulanten in die Freiheit.

Im April 1732 mussten dann diejenigen Protestanten ihre Heimat verlassen, die Haus- und Grundbesitz hatten. Zu ihrem Glück hatte sich König Friedrich Wilhelm I. von Preussen bereit erklärt, die Salzburger Flüchtlinge in seinem Reich aufzunehmen. So verliessen 20.000 glaubenstarke Protestanten aus Salzburg für immer ihre Heimat und marschierten zu Fuss oder kamen per Schiff nach Ost-Preussen. Zwischen Mai 1732 und November 1733 erreichten 66 Schiffe die Stadt Königsberg. 5.500 Salzburger kommen mit 780 Wagen auf dem Landweg nach Ostpreussen. Etwa 5 % starben unterwegs. 15.000 der Ankömmlinge wurden alleine im Raum Gumbinnen angesiedelt.

Eine Gruppe liess der Salzburger Fürstbischof jedoch nicht aus dem Land: Die bereits seit Jahren aufsässigen Bergleute im nahen Salzbergbau wurden dringend für das ertragreiche Geschäft mit dem “weissen Gold” benötigt. Diese Einnahmequelle wollte man nicht gefährden. Die Bergleute vom Dürrnberg verweigerten jedoch weiterhin sämtliche katholischen Bekehrungsversuche und redet offen über eine Auswanderung. Die Herrschaft liess in der Zwischenzeit Ersatz für die Bergknappen herbeischaffen, weil sie damit rechnete, dass eine Abwanderung der Protestanten nicht dauerhaft zu stoppen war. Mittlerweile hatten sich die Niederlande bereit erklärt, die Dürrnberger und Berchtesgadener Bergleute aufzunehmen. Diese sollten mit grosszügigen finanziellen Angeboten nach Holland umgesiedelt werden

Lorch am Rhein, Deutschland. Hier fuhren im Winter 1732/33 die Schiffe der Salzburger vorbei auf ihrem Weg in die Niederlande.

Im November 1732 war es dann soweit. Nach einer beschwerlichen Reise mitten im Winter entlang des Rheins,  erreichte die Gruppe im März 1733 die niederländische Insel Cadzand. Aber sie hatten sich alles ganz anders vorgestellt. Hier sprach man nicht ihre Sprache, das Land war topfeben, die finanziellen Versprechungen wurden nicht eingehalten und eine Fieberepidemie raffte 100 der 780 Emigranten dahin. Wären sie doch den anderen Salzburgern nach Ostpreussen gefolgt !

Im Juli 1733 kehrten die ersten 40 Rückwanderer ins deutsche Regensburg zurück um ihre Lage zu schildern. Die Niederländer versprachen Abhilfe zu schaffen, was sie auch taten. Dennoch blieben nur 42 Familien mit insgesamt 216 Personen im Lande. Die anderen wanderten in die USA aus oder siedelten sich im deutschen Frankenland an.

Links: Die Ankunft der Salzburger Emigranten auf der Insel Cadzand, Niederlande.Rechts: Die DĂĽnen von Cadzand heute.

Die Nachkommen der in Holland verbliebenen Salzburger Exulanten haben sich in einer “Werksgroep vor de Stichting Bestudering von de Geschiedenis Salzburger Emigranten” zusammengeschlossen.

Die in den Raum Gumbinnen in Preussisch Litauen angesiedelten Salzburger hatten anfangs auch grosse Probleme sich einzuleben, da die dortige Bevölkerung sie auch nicht gleich mit offenen Armen empfing. Friedrich Wilhelm I. jedoch verstand es gut, ihre Loyalität zu gewinnen und die Ansiedlung zu einem Erfolg zu machen. Die Zeit der Salzburger Emigranten endete erst im Jahre 1945 zum Kriegsende, als die mittlerweile zu Preussen gewordenen Nachkommen vor den heranrückenden Sowjets in den Westen fliehen mussten.

FĂĽr viele Nachkommen der Salzburger Emigranten der letzte Blick in die alte Heimat auf der Flucht nach Westen im Jahre 1945:
Das Westpreussenkreuz bei Weissenberg (Biala Góra) im Kreis Stuhm (Sztum). Das Kreuz markierte das Dreiländereck zwischen Deutschland (Ostpreussen), Danzig und Polen und drückt die Sehnsucht der Ostpreussen aus, mit dem deutschen Kernland wieder verbunden zu werden (da nach dem 1.Weltkrieg Westpreussen an Polen gefallen war). Das Kreuz wurde 1945 von der heranrückenden Sowjetarmee gesprengt.
Rechts ist ein Foto von den Resten des Westpreussenkreuzes, wie es im Dezember 2006 aussah.

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