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DIE GESCHICHTE UNSERES HEUTIGEN NAMENS (von Pfendtner zu Pfänder)

Warum unser Nachname seit dem 17. Jahrhundert Pfänder ist - und davor Pfendtner oder Pfentter lautete - liegt mit grosser Sicherheit an den damals noch fehlenden Rechtschreiberegeln. Sehr wahrscheinlich wurde er bei der Ankunft in Deutschland versehentlich falsch übernommen, denn seinerzeit  gab es noch keine einheitliche Orthographie.  Noch heute findet man sehr unterschiedliche Schreibweisen in den Kirchenbüchern.

Lange wurde in unserer Familie überliefert, dass wir ursprünglich aus Österreich kommen und unser Nachname wahrscheinlich vom “Pfänder” herrührt, einem Berg nahe des Bodensees. Der “Pfänder” liegt bei der Stadt Bregenz, Österreich, wo die Nordgrenzen von Österreich und der Schweiz auf den Süden Deutschlands treffen. Er hat seinen Namen wahrscheinlich von einem auf dem Berg liegenden Hof, dem sogenannten “Pfänderhof”. Sicher ist, dass der Name des Berges, früher “Pfender”, noch früher “Pfendler” geschrieben, seit 1422 erscheint. Der Forscher Isidor Hopfner führt den Namen auf das keltische Wort “Penno-Duro” (Kopfberg) zurück.

Der Pfänder (1.064 m über dem Meeresspiegel) bietet einen Panoramablick über den Bodensee und 240 Gipfel der Alpen. Das macht ihn zum berühmtesten Aussichtspunkt der Region. Man kann Österreich, die Schweiz und Deutschland von hier sehen. Er ist der Hausberg von Bregenz.

Im Laufe weiterer Nachforschungen ergab sich, dass unsere Ahnen zwar aus Österreich stammten, aber nicht mehr nachweislich aus der Bodensee- Region. Sehr wahrscheinlich war im Bewusstsein unserer jüngeren Vorfahren die österreichische Heimat zwar erhalten geblieben, aber man vergass über die Jahrhunderte die genaue Herkunftsgegend und den Grund für die Abwanderung nach Deutschland.

Durch die über die Jahrhunderte zu findenden unterschiedlichen Schreibweisen (u.a. Pfaender, Pfender, Pfändter, Pfändtner) kann es durchaus sein, dass andere Namensvetter (und vielleicht auch der Berg am Bodensee) teilweise nur durch Zufall heutzutage namensgleich sind.


Die Herkunft unseres Nachnamens

Der Familienname Pfänder selbst entstand ursprünglich im 13. Jahrhundert aus dem Beruf des “Pfänder”. Dieser war ein obrigkeitlicher Beamter, der durch Gerichtsdiener von den Schuldnern Pfand einziehen liess. So finden sich z.B. schon im Jahre 1356 im Bürgerbuch der Stadt Lahr (Baden) genaue Hinweise, warum die Behörden Pfand einziehen liessen: Die Festsetzung und der Einzug von Pfand war notwendig als Handhabe gegen Bürger die Ihren Pflichten (etwa in Bau und Unterhalt der Stadtmauer oder Bereitstellung ihrer Bewaffnung) allzu säumig nachkamen. Der Beruf des Pfänders hatte aber teilweise auch weitere Aufgaben, z.B. die Überwachung von städtischer oder dörflicher Ordnung. In der Reichsstadt Nürnberg war der Pfänder seit 1498 ein im sogenannten Rugamt tätiger Beamter, der für die Handwerksaufsicht zuständig war. Das erste Wappen dieser Pfänder zeigt daher auch die Göttin Justitia, die Waage und Schwert in der Hand führt. Erwähnt wird der Beruf des Pfänders bereits im Jahre 1248. Das diese Art sein Geld zu verdienen nicht immer ungefährlich war, zeigt folgende Verordnung aus Bayern, anno 1294:

Swer dem Pfenter oder die mit im reitent misshandelt an dem leib, der hat vnserr hulde niht.” (Die körperliche Misshandlung des Pfänder oder seiner Begleiter wird von uns nicht geduldet).

Unser Nachname kann aber auch anderen Ursprungs sein (wie z.B. aus Österreich):

Pfandl: Berufsname für Personen, die mit Pfannen (z.B. beim Salzsieden) zu tun haben. Pfandl ist die Verkleinerungsform für Pfanne. Siehe dazu auch die Pfanne im Wappen der Augsburger-Pfänder.


DIE PFÄNDER-LINIEN UND PFÄNDER-WAPPEN

Nach meinen derzeitigen Forschungen habe ich sechs (mit grosser Wahrscheinlichkeit voneinander unabhängige) Linien mit dem Namen “Pfänder” oder “Pfender”gefunden:

1) Die
“Beurener”, erfasst seit 1530 aus Beuren bei Nürtingen, Württemberg.
2) Die
“Österreicher”, unsere Linie, Geburt des ältesten Ahnen im Jahre 1595. Herkunft: Niederösterreich.
3) Die
“Hanauer” aus Hessen, um 1570. Die Nachkommen tauchen auch im Elsass auf.
4) Die
“Schlesier”, deren Existenz gesichert ist, aber mir sonst keine weiteren Informationen vorliegen.
5) Die
“Augsburger”, ursprünglich aus dem Berner Land in der Schweiz (dort schon im 15. Jahrhundert erwähnt). Seit ca. 1670/80 in Deutschland ansässig
6) Die
“Allgäuer”, die ab 1427 in Isny, Allgäu, erscheinen.
7) Die
“Heilbronner”, die ab 1600 in Heilbronn auftauchen. Auswanderung u.a. um 1850 nach New Ulm, Minnesota, USA. Nachfahren leben noch heute in den USA.



Von links nach rechts: Die “Österreicher”, die “Beurener”, die “Allgäuer”, die “Augsburger” und die “Hanauer”.

Unten von links nach rechts: Das Wappen der Linie aus Ulm, die Heidenheimer Linie, eine unbekannte (Allgäuer?) Linie und die Beurener Pfänders

DIE VERTEILUNG DES FAMILIENNAMENS PFÄNDER IN DEUTSCHLAND (Stand 2006)

Die Karte oben zeigt die absolute Verteilung des Nachnamens Pfänder im Bundesgebiet. Ganz deutlich zu erkennen ist die starke Verbreitung im Süden des Landes. Hohe Pfänder-Dichte (und daher dunkelrot) weisen die “Wiegen” dieser Hauptlinien im Gebiet um Beuren, Bieberach, Rothenburg ob der Tauber und Augsburg auf.

Quelle: http://christoph.stoepel.net

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