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DIE VERTREIBUNG DER ERSTEN PROTESTANTEN INS AUSLAND (1590 - 1685)

DIE ARBEIT DER REFORMKOMMISSION

Nach dem Westfälischen Frieden 1648, der wie erwähnt für Österreich keine Glaubensfreiheit brachte, bemühte sich die Regierung erneut um die Bekehrung der Unkatholischen. Im Jahre 1652 erging ein weiteres grosses Patent, dass der Kaiser auch Befehle hinsichtlich des Glaubens erteilen konnte und, dass wer nicht katholisch werden wollte, dem Kaiser ungehorsam war. Um die Konversion zu erreichen, hätten alle Unkatholischen vor der Kommission zu erscheinen und sich unterweisen zu lassen. Eine Emigration ins Ausland war aber als Alternative möglich. Von nun war die Kommission in vielen Pfarren Österreichs unerbittlich unterwegs, die vor allem im westlichen Waldviertel Niederösterreichs (dort lebten unsere Ahnen) auf teils erheblichen Widerstand stiess und nur durch krasse Waffengewalt und die Verhaftung einiger nicht zustimmender Richter endgültig gebrochen werden konnte. Als nach 1652 der Druck auf die Verbliebenen seitens der Obrigkeit immer stärker wurde, wurden viele Höfe von den Eigentümern weit unter Wert verkauft, nur um überhaupt noch etwas zu erhalten. Manche Güter wurden auch einfach zurückgelassen und später amtlich, man nannte das „ex officio“, versteigert. Die Herrschaft versuchte so den Ausfall an Steuern auszugleichen. Aus den damaligen Unterlagen lässt sich ersehen, dass viele Menschen dem Land den Rücken kehrten und ihre Höfe einfach brach zurück liessen. Es wurde nämlich verlangt eine Art Auswanderungssteuer zu bezahlen, die auch noch von dem oft niedrigen Verkaufspreis der Güter abging.
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Das österreichische Waldviertel in seiner Schönheit. Die Exulanten aus Niederösterreich verliessen ihre Heimat spätestens bis 1680. Kaum jemand kehrte zurück. (Foto: Juli 2006).

So machte man sich lieber bei Nacht und Nebel auf den Weg, in der Hoffnung unversehrt über die Grenze zu kommen. Denn einige der Flüchtlinge wurden auf ihrem Weg in die konfessionelle Freiheit misshandelt, eingekerkert, ausgeplündert und teilweise wieder zurückgeschickt. Es kam sogar vor, dass an der Grenze aufgegriffene Personen mit Gewalt in eine Kirche getrieben und dort zur Kommunion und Beichte gewungen wurden. Somit galten sie wieder als Katholiken.

Zwischen 1652 und 1654 wurde durch das Wirken der Reformationskommission der Protestantismus jedenfalls „offiziell“ ausgerottet. Die österreichischen Exulanten des 16. und 17. Jahrhunderts wanderten alleine oder in Gruppen in Richtung Ungarn, Württemberg, Sachsen und Franken. Im Gegensatz zu den Salzburger Exulanten, die in den Jahren 1731/32 aus Salzburg ausgewiesen wurden, mussten die Flüchtinge aus dem österreichischen Kernland in aller Stille gehen. Die Salzburger hatten Jahrzehnte später das Glück organisiert überwiegend nach Ostpreussen begleitet zu werden - unter grosser Anteilnahme der Bevölkerung. Die Flüchtlinge die vor ihnen aus ihrer Heimat gewiesen wurden, genossen dieses Privileg nicht. Es empfing sie auch niemand freudig in der Fremde. Nur ihr tief verwurzelter protestantischer Glaube und die in Deutschland gemeinsame Sprache machten das Leben einfacher. Nicht selten wurden sie von der einheimischen Bevölkerung mit grosser Skepsis aufgenommen. So ist es nicht verwunderlich, dass diese frommen Österreicher in den ersten Jahren weitestgehend untereinander heirateten.

IN DIE VERBANNUNG! Der Arm der römisch-katholischen Kirche erreicht jeden Andersgläubigen. Dies symbolisiert dieser auf der Kanzel dauerhaft befestigte Holzarm mit Kruzifix. (Gesehen vom Autor in der Kapelle von Burg Hohenwerfen, Salzburger Land, im Juli 2006).

Flucht einer Protestantenfamilie durch die verschneite Landschaft Österreichs: Jesus Christus geschultert und die Familie im Schlepptau.

Katholische “Materl” begleiten einen noch heute auf Schritt und Tritt durch Österreich. .

Die schöne Landschaft im Frankenland empfing die Exulanten nach dem Dreissigjährigen Krieg mit offenen Armen.

Über die Jahre vermischten die Exulanten sich mit der einheimischen Bevölkerung, sodass die meisten Bewohner Frankens heute nichts mehr von den zugereisten Österreichern wissen. Und wenn, dann vermutet man die familiären Bande eher in Richtung Salzburg denn der Durchzug der Salzburger hatte 1731/32 für grosses Aufsehen gesorgt.

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