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DIE GEGENREFORMATION IN Ă–STERREICH (1576-1652)

Als der konfessionell liberale Kaiser Maximilian II. im Jahre 1576 starb, war das Land zum überwiegenden Teil evangelisch. Nach seinem Tod begann aber die Gegenreformation in Österreich, welche untrennbar mit dem Namens des ehemaligen Jesuitenschülers und Ex-Protestanten Melchior Klesl verbunden ist. Klesl war der Sohn eines evangelischen Bäckermeisters aus Wien, der auf einer Jesuitenschule katholisch geworden war und später das Protestantentum in Österreich auf das heftigste bekämpfte. Der entscheidende Schritt welcher die Rekatholisierung der nächsten 50 Jahre bestimmen sollte, fand im Oktober 1579 auf der sogenannten Münchner Konferenz statt. Dort versammelten sich Vertreter Innerösterreichs, Bayerns, Tirols und Salzburgs sowie ein Nuntius der katholischen Kirche um in aller Stille über die schrittweise Zurückdrängung des Protestantismus zu beraten.

Nun begann Melchior Klesl, der 1602 in Wien zum Bischof und kurz darauf zum Kardinal ernannt wurde, mit der Verfolgung der Protestanten Österreichs. Er organisierte die Entfernung der evangelischen Geistlichen, liess protestantische Bücher wegnehmen und Kirchen sperren. So erzwang er 1584 die Einsetzung eines katholischen Pfarrers in der Stadt Krems (Niederösterreich), 1586 folgte die Einführung der Jesuiten und als dann 1588 die Bürger rebellierten, wurde die Bewegung mit Gewalt niedergeschlagen und die Stadt hart bestraft. Schon damals wanderten viele Protestanten aus – die ersten Exulanten. Im Waldviertel kam ein Mann namens Ulrich Hackl zu zweifelhaftem Ruf. Auch er stammte wie Melchior Klesl eigentlich aus einer evangelischen Familie aus Wien, war aber zum Katholizismus konvertiert. Als Abt des Zisterzienserklosters in Zwettl war er zwischen 1586 und 1607 einer der erfolgreichsten Verfechter der Gegenreformation.

Es waren bewegte Zeiten, denn ausser den innerchristlichen Meinungsverschiedenheiten gab es weitere Unruhen im Volk. Vor allem die bäuerliche Bevölkerung – und das war der grösste Teil der Österreicher – hatte kaum genug zum Leben und war den Lehren Luthers entsprechend aufgeschlossen. Letztendlich waren aber die Armut des einfachen Volkes und die sozialen Ungerechtigkeiten die Ursache für die Unzufriedenheit und dadurch der Nährboden auf dem der Protestantismus gedieh.

Die Verbrennung evangelischer BĂĽcher.

DIE ROLLE DER JESUITEN

Die Jesuiten waren derjenige Orden mit dem die katholische Obrigkeit - nicht nur in Ă–sterreich - versuchte das Protestantentum auf das heftigste zu bekämpfen. Zielstrebig und papstergeben wurden sie zum Symbol eines gnadenlosen Feldzuges gegen die Anhänger Luthers. GegrĂĽndet wurden die Jesuiten von dem Spanier Ignatius von Loyola, der diese auch wesentlich prägte. Loyola war zunächst Offizier, bis ihm im Alter von dreissig Jahren eine Kriegsverwundung den weiteren militärischen Aufstieg verhinderte. Mystische Erfahrungen nach diesem Lebenseinschnitt brachten ihn dazu, seinen weiteren Lebensweg von Gott bestimmen zu lassen. Er  studierte seit 1528 in Paris wo er sein Magister Atrium ablegte. In Paris sammelte er auch Gefährten um sich und verband sich mit ihnen am 15. August 1534 (Fest der Aufnahme Mariens in den Himmel) auf dem Montmatre durch gemeinsame GelĂĽbde. Die geplante Wallfahrt nach Jerusalem erwies sich aber als undurchfĂĽhrbar. Statt dessen stellte sich die Gruppe Ende 1537 in Rom dem Papst Paul III. zur VerfĂĽgung. Dieser genehmigte drei Jahre später das bis 1762 geheime Grundstatut der Gemeinschaft. Somit war die Gemeinschaft als Orden anerkannt. Ignatius wurde zum ersten Oberen gewählt und leitete den rasch wachsenden Orden von Rom aus bis zu seinem Lebensende im Jahre 1556.

Darüber hinaus war die Ordensgründung Teil und Ausdruck einer katholischen Erneuerungsbewegung, die eine Reform der Kirche von der inneren Erneuerung und einer persönlichen Christusbeziehung erwartete. Von den Ordensmitgliedern wurde eine strikte Unterwerfung unter die Heilige Schrift und die Lehre der römisch-katholischen Kirche erwartet. Aufgrund des absoluten Gehorsams gegenüber dem Papst, seiner straffen Hierarchie und einer grösstmöglichen persönlichen Flexibilität konnte der Orden sehr schnell wachsen und so in sehr vielen Ländern aktiv werden.

Eines der wichtigsten Arbeitsgebiete der Jesuiten waren bald Schulen und Universitäten, natürlich auch in Österreich. Bereits 1570 waren sie von Erzherzog Karl, dem Bruder Kaiser Maximilians II. ins Land geholt worden. Wie oben schon erwähnt, waren die übelsten Verfechter des alten römisch-katholischen Glaubens oft selbst in ihren jungen Jahren Protestanten gewesen und dann durch jesuitischen Einfluss zum Katholizismus rekonvertiert. Als Beispiel sei hier nochmal obiger Melchior Klesl, der Sohn eines evangelischen Bäckermeisters aus Wien genannt. Ein weiterer Ex-Protestant war Adam Graf Herberstorff, dem Initiator des “Haushamer Blutgerichts” in Oberösterreich, bei dem 16 evangelische Männer ohne Gerichtsverfahren ermordet wurden. Herberstorff war selbst wegen seines evangelische Glaubens aus der Steiermark geflohen und fand durch die Jesuiten zum Katholizismus zurück.

Die Jesuiten waren äusserts erfolgreich in katholischen Zeremonien und förderten den Prunk des organisierten Katholizismus. Diese sollten üppig finanziert und zelebriert werden (was den Protestanten als unbiblisch suspekt war). Sie förderten die die barocke Baukunst und das barocke Theaterspiel.

Besonders einflussreich wurden die jesuitischen Priester als Beichtväter und Seelsorger von Königen und Fürsten. So gelang es ihnen auch einen gewissen politischen Einfluss zu gewinnen, was sie im Volk noch gefürchteter machte. Daher war der Jesuitenorden lange Zeit starken Anfeindungen ausgesetzt, da er häufig Verschwörungen bezichtigt wurde.
 

Der Jesuit als Teufel: Protestantischer Soldat ersticht einen Jesuit der sich als Teufel verkleidet an eine evangelische Magd herangeschlichen hat. (Stich aus dem 17. Jahrhundert).

DIE GEGENREFORMATION VOR UND NACH DEM DREISSIGJĂ„HRIGEN KRIEG (1618-1648)

Im Jahre 1619 übernahm Ferdinand II. (Kaiser bis 1637), der streng katholisch war, die Herrschaft. Nach seinem Regierungsantritt setzte er Reformationskommissionen ein, welche, von Söldnern begleitet, durch das Land zogen. Sie schlossen und zerstörten protestantische Kirchen, verbrannten evangelische Bücher und vertrieben die Prediger. Evangelische Stadträte und Richter wurden durch katholische ersetzt. Fallweise kam es auch zur Schändung evangelischer Friedhöfe.

Nun war allen Ständen klar, dass der neue Herrscher die Rekatholisierung seiner Länder stark voran treiben würde. Mitten im Dreissigjährigen Krieg erfolgte am 14. September 1627 ein weiteres Generalmandat von Ferdinand II. Dies war keineswegs das erste oder das letzte dieser Mandate, doch es war eines der folgenschwersten: Es verfügte die Ausweisung aller evangelischer Lehrer und Pfarrer aus Niederösterreich bis zum 28.11. 1627. Kurz darauf erging eine weiteres Generalmandat Ferdinand II. welches die Einsetzung katholischer Pfarrer innerhalb von 6 Wochen forderte. Damit schien das Ende der evangelischen Gemeinden auch in Niederösterreich gekommen, und auch die evangelischen Grundherrn konnten auf den Glauben ihrer Untertanen keinen gewichtigen Einfluss mehr nehmen. Das Recht den Glauben der Untertanen zu bestimmen, nahm fortan der Kaiser einzig und allein für sich in Anspruch.

Nun könnte man meinen, dass die Vertreibung aller evangelischen Pfarrer und Lehrer zu einem Stillstand des geistlichen Lebens im Waldviertel geführt hätte. Aber es trat genau das Gegenteil ein. Durch das religiöse Leben in den Familien blieben die Gemeinden intakt, auch wenn man Trauungen und Beerdigungen durch den katholischen Pfarrer vornehmen lassen musste. Von daher ist auch die grosse Zahl an Exulanten zu erklären, die nach 30 oder 40 Jahren ohne Pfarrer und Lehrer noch gut evangelisch waren, die später in Franken selbstverständlich auch als evangelisch galten und die sich sofort am kirchlichen Leben ihrer neuen Gemeinde beteiligten. Durch die Vertreibung der evangelischen Pfarrer aus den Gemeinden, wurden natürlich deren katholische Nachfolger mit Argwohn betrachtet. Immer wieder liest man aus der damaligen Zeit, dass es zu Auseinandersetzungen zwischen der Bevölkerung und den katholischen Seelsorgern kam. Natürlich darf man dabei aber nicht vergessen, dass harmonische Verhältnisse nicht unbedingt dokumentiert wurden. Verschieden wiederholte Beschwerden der Pfarrer gibt es aber auch zwischen 1630 und 1654, aus denen hervorgeht, dass sich die Bevölkerung trotz aller Mittel weigerte, zum katholischen Glauben zurückzufinden.

Im Jahre 1648 gelang es endlich den Dreissigjährigen Krieg zu beenden. Der „Westfälische Frieden“ ordnete Europa in neue politische Strukturen. Zentraleuropa war weitestgehend verwüstet. So lebten in Deutschland zu Beginn des Dreissigjährigen Krieges (1618) etwa 17 Millionen Menschen, nach Kriegsende (1648) nur noch 8 Millionen.

Was Ă–sterreich betraf, brachte der ersehnte Frieden jedoch keine Religionsfreiheit. Im Gegenteil: Die durch den Krieg vorerst verlangsamte Rekatholisierung wurde nun wieder verstärkt aufgenommen. 

Ohne Pfarrer und unter schwersten Bedingungen der Glaubensausübung zeichnete sich immer deutlicher in Österreich ab, dass diejenigen ins Exil gehen mussten, die ihren evangelischen Glauben bewahren wollten. Es gab auch schon Menschen die eine solche schwere Entscheidung bereits getroffen und ihre Heimat schon einmal verlassen hatten. Sie waren in weniger bedrohte Gebiete zugewandert weil sie bereits nach Inkraftreten des Generalmandates im Jahre 1627 aus der Steiermark oder aus Oberösterreich vertrieben wurden. Sie hofften z.B. im noch evangelischen Waldviertel abwarten zu können, bis die gegenreformatorischen Kräfte schwächer würden. Dass eine nicht unerhebliche Anzahl von Menschen dies tat, geht aus einem Reformationspatent vom 23. August 1638 hervor, in dem versucht wurde, die Aufnahme protestantischer Auswanderer aus Oberösterreich rigoros zu verbieten. Aber auch diese bereits schon mal Vertriebenen waren bereit ihre neue Heimat wieder aufzugeben und als „Exulanten“ weiterzuziehen.

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