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DAS EXULANTEN-LIED
(Trostlied eines Exulanten)

Ich bin ein armer Exulant, also muss ich mich schreiben.
Man tut mich aus dem Vaterland um Gottes Wort vertreiben.
Doch weiss ich wohl, Herr Jesu mein, es ist dir auch so gegangen.
Jetzt soll ich dein Nachfolger sein; mach´s Herr, nach deinem Verlangen.
Ein Pilgrim bin ich auch nunmehr, muss reisen fremde Strassen,
drum bitt ich dich, mein Gott und Herr, du wollst mich nicht verlassen.
Ach steh mir bei, du starker Gott, dir hab ich mich ergeben,
verlass mich nicht in meiner Not, wann´s kosten soll mein Leben.
Den Glauben hab ich frei bekennt, des darf ich mich nicht schämen.
Ob man mich einen Ketzer nennt und tut mir´s Leben nehmen.
Ketten und Banden war mir eine Ehr, um Jesu Willen zu dulden,
denn dieses macht die Glaubenslehr und nicht mein bös Verschulden.
Ob mir der Satan und die Welt all mein Vermögen rauben,
wenn ich nur diesen Schatz behalt: Gott und den rechten Glauben.
Herr, wie du willst, ich geb mich drein, bei dir will ich verbleiben.
Ich will mich gern dem Willen dein geduldig unterschreiben.
Muss ich gleich in das Elend fort, so will ich mich nicht wehren,
ich hoffe doch, Gott wird mir dort auch gute Freund bescheren.
Nun will ich fort in Gottes Nam´ - alles ist mir genommen,
Doch weiss ich schon, die Himmelskron werd ich einmal bekommen.
So geh ich heut von meinem Haus, die Kinder muss ich lassen.
Mein Gott, das treibt mir Tränen aus, zu wandern fremde Strassen.
Ach führ mich Gott in eine Stadt, wo ich dein Wort kann haben,
damit will ich mich früh und spat in meinem Herzen laben.
Soll ich in diesem Jammertal noch lang in Armut leben,
Gott wird mir dort im Himmelssaal eine bessere Wohnung geben.
Wer dieses Liedlein hat gemacht der wird hier nicht genennet,
des Papstes Lehr hat er veracht und Christus frei bekennet.

Das Exulanten-Lied:

Obiges Lied wurde im Jahre 1686 durch
Joseph Schaitberger getextet, den geistigen Führer der Salzburger Exulanten. Er und seine Frau wurden im Jahre 1686 als Protestanten aus dem Salzburger Land vertrieben und gezwungen die beiden kleinen Töchter zurückzulassen, damit diese wieder zum katholischen Glauben rückgeführt werden konnten. Dieses Schicksal teilten er und seine Frau mit tausenden andere Vertrieben denen der Salzburger Fürstbischof ebenfalls mit Gewalt die Kinder entziehen liess.

Das Exulantenlied zählt zu den wichtigsten Bekenntnissen der österreichischen Protestanten, deren Glaube an die Rechtmässigkeit ihres Tuns hier zum Ausdruck kommt.

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