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DENKMALE FÜR EXULANTEN

KAMMERSTEIN, BAYERN, DEUTSCHLAND

Das Denkmal befindet sich in der Mitte des Dorfplatzes: Geschaffen wurde es von dem  Künstler Thomas Volkmar Held und zeigt ein von einem Exulantenpaar (Vater und Kind) durchlaufenes Tor in die neue Heimat. Optischer Trick: Je nach Standort des Betrachters zeigen sich die Exulanten im Torbogen oder (wie unten) im Boden eingelassen. Die Einweihung war im Juni 2000.

Gut zu erkennen: Vater und Sohn aus Österreich durchschreiten das Kammersteiner Tor in eine neue Zukunft.

WAIN, BADEN-WÜRTTEMBERG, DEUTSCHLAND

In Wain, einem kleinen Dorf 30 km südlich von Ulm/Donau, erinnert ein kleiner Brunnen an der Kirchstrasse an die vielen österreichischen Protestanten, die vor rund 350 Jahren aus Kärnten und der Steiermark nach Wain kamen, um hier ihren Glauben frei leben zu können. Der Brunnen wurde aus Bronze von dem Künstler Rainer Schlecker geschaffen und zeigt eine wandernde Frau mit einem Leiterwagen.

Der Brunnen befindet sich neben dem evangelischen Gemeindezentrum von Wain.

ST. VEIT IM DEFEREGGER TAL, TIROL, ÖSTERREICH

Diese 6 Meter lange Steintafel befindet sich an der Kirche von Bruggen, einem kleinen Ortsteil von St. Veit, in Erinnerung an die Deferegger Exulanten. Sie wurde vom Künstler Georg Planer geschaffen und zeigt als Symbol der Trennung eine gespaltene Platte. Zwei Kupferbänder bilden ein Kreuz über der Spalte. Auf der linken Seite steht eine Gruppe der Daheimgebliebenen mit einem Kind, welches die Arme zu seiner Mutter in der Gruppe der Fortziehenden ausstreckt. Diese reicht in ihrer Verzweiflung dem Kind eine Hand entgegen. Die Ausziehenden am rechten Bildrand scheinen von der Tafel zu fallen, denn dort befindet sich der Ausgang des Deferegger Tals. Alle Personen sind nackt (und somit schutzlos) dem Salzburger Erzbischof (links) ausgeliefert. Dieser ist als einziger bekleidet und schaut ins Leere. Das evangelische Mädchen neben ihm erwiedert jedoch den Blick des Betrachters. Der Eltern beraubt, sieht sie aufrecht ihrem ungewissen Schicksal entgegen.

Die Tafel gedenkt der 691 evangelischen Menschen, die zwischen 1684 und 1686 aus dem Deferegger Tal vertriebenen wurden und die man zwang ihre Kinder unter 15 Jahren zurück zu lassen.

Links: Die Gesichtsausdrücke des Erzbischofs und des mit den alten Dorfbewohnern elternlos zurückgelassenen Mädchens sind gut erkennen. Rechts: Die kleine Kapelle im idyllisch gelegenen Deferregger-Tal in Ost-Tirol.

THALMÄSSING, BAYERN, DEUTSCHLAND

Das Mahnmal in Thalmässing, einer kleinen Stadt südlich von Nürnberg, symbolisiert das Rad der Zeit, welches die Spuren der zugewanderten Exulanten-Familien auf einer im Boden eingelassenen Metallplatte hinterlässt.

Oben sieht man die durch das Rad der Zeit im Boden entstandene Gravur mit einem kurzen Hinweis auf die Exulanten-Zuwanderung und die Erwähnung der betroffenen Familiennamen.

SAVANNAH, GEORGIA, VEREINIGTE STAATEN VON AMERIKA

Eine einzigartiges Monument für die in die USA emigrierten Salzburger Exulanten findet man im Bundestaat Georgia, der nach König Georg II. von England benannt wurde. Dieser hatte den verbannten Salzburgern im Jahre 1734 erlaubt, in seine amerikanische Kolonie auszuwandern. Sie siedelten sich in Ebenezer an, einem Ort 35 km nördlich von Savannah. Das Denkmal wurde 1994 durch das Land Salzburg gestiftet und vom österreichischen Künstler Anton Thuswaldner geschaffen.

Das Monument der Georgia Salzburger befindet sich als “Monument der Versöhnung” im Salzburger Park an der Bay Street in Savannah. Der Text besagt: “Weil man ihnen ihr Gottesland verwehrte, mussten sie ihre Heimat verlassen”. (Danke, Linda)

EBENEZER, GEORGIA, VEREINIGTE STAATEN VON AMERIKA

Als die Salzburger Emigranten im März 1734 den Ort Ebenezer gründeten, musste dieser wegen seiner ungünstigen Lage bald verlegt werden. Seit dem Jahre 1855 ist der Ort sogar zu einer Geisterstadt verkommen. Was aber blieb, ist die in den Jahren 1767-69 erbaute Jerusalem Lutheran Church, die heute noch an ihrem Platz steht. Sie ist die älteste protestantische Kirche in den USA. Eine Tafel im Inneren der Kirche erinnert an die rund 300 Salzburger Zuwanderer, die hier einst siedelten um in Freiheit glauben und leben zu können.

Links: Die Jerusalem Lutheran Church in Ebenezer. Rechts: Die Erinnerungstafel in der Kirche: “Zum Ruhm Gottes und in Erinnerung an die Salzburger Lutheraner, die in Savannah, Georgia, am 12. März 1734 landeten und diese Jerusalem-Kirche 1767-69 erbauten. Errichtet durch die Gesellschaft der Kolonialherrinnen von Amerika in Georgia.”

Auf dem nahen Friedhof ruhen noch heute einige der Salzburger Exulanten und deren Nachkommen:

Links: Das Denkmal auf dem Friedhof von Ebenezer. Rechts: Auf der Vorderseite steht in Englisch: ”In Erinnerung an die SALZBURGER und ihre treuen Pastoren Pfr. Johann Martin Bolzius und Pfr. Christian Gronau, die im Vertrauen auf Gottes Wort und dem Augsburger Bekenntnis aus ihrer Heimat in Österreich vertrieben wurden und sich 1734 in Effingham County, Georgia, niederliessen. Hebräer 11.36-38.”

SIBIU (HERMANNSTADT), SIEBENBÜRGEN, RUMÄNIEN

Hermannstadt wurde bereits 1150 durch deutsche Siedler gegründet. In den Jahren 1734-1737 wurden durch Kaiser Karl VI. über 800 österreichische Protestanten nach Siebenbürgen deportiert, davon ca. 200 aus Kärnten. In den Jahren 1752-1756 erfolgten zusätzliche “Transmigrationen”, in deren Verlauf über 3.000 Menschen ins heutige Rumänien kamen. Weitere folgten bis 1776.

Oben im Hintergrund sieht man die evangelische Stadtpfarrkirche von Hermannstadt, in der sich das Erinnerungsfenster an die österreichischen Protestanten befindet.

GUSEW, RUSSLAND (ehemals GUMBINNEN, OSTPREUSSEN)

Das 2008 wiederentstandene Fresko befindet sich in Gumbinnens ehemaliger Friedrichschule und wurde 1912 vom Künstler Otto Heichert erschaffen. Es zeigt den Empfang der Salzburger Emigranten durch König Friedrich-Wilhelm I. von Preussen. Trotz Kriegszerstörungen und mehrfachem Überstreichen konnte es so wieder in der Aula entstehen und an das Erbe der Salzburger erinnern.

Die renovierte Salzburger Kirche in Gumbinnen (oben). Rechts das Altarbild mit einer Szene des Auszugs der Salzburger aus ihrer Heimat. (Danke, Linda)

VILKYSKIAI, LITAUEN (ehemals WILLKISCHKEN im Memelland, OSTPREUSSEN)

Im 18. Jahrhundert siedelten sich in der Gegend von Willkischken auch einige hundert Glaubensflüchtlinge aus Salzburg und der Pfalz an. Im Zentrum von Willkischken wurde für sie ein Denkmal aus schwarzem Holz errichtet, welches eine Wagendeichsel zeigt, als Symbol für die Wagen, mir der die Flüchtlinge einst hier ankamen. Eine Steintafel erinnert mit folgender Inschrift an ihr Schicksal: “Zum Gedenken an die Salzburger Protestanten, die im 18. Jahrhundert hier an der Memel eine neue Heimat gefunden haben”.

Oben sieht man die übergrosse Holzdeichsel im heute litauischen Vilkyskiai.

SCHWARZACH IM PONGAU, SALZBURGER LAND, ÖSTERREICH

Ein “Salzlecker-Denkmal” erinnert hier an die etwa 150 Schwarzacher Männer, die 1731 durch das Tauchen eines Fingers in ein Salzfass schworen “Gott mehr zu gehorchen als den Menschen” und zukünftig ihre protestantische Gesinnung gegenüber der katholischen Untersuchungskommission offen zu bekennen.

Das Denkmal mit den “Salzleckern” befindet sich im Schwarzacher Ortszentrum.

BECHHOFEN, BAYERN, DEUTSCHLAND

Dieses Denkmal in der Nähe von Windsbach, Franken, wurde am 12. Juli 2009 eingeweiht. Das vom Künstler Thomas Volker Held geschaffene Kunstwerk befindet sich auf beiden Seiten des kleinen Flusses Rezat. Es besteht aus mehreren Scherenschnitten und symbolisiert eine aus Österreich kommende Exulantenfamilie, die in Bechhofen nach der Vertreibung aus der Heimat ansiedelte. Die im Vordergrund sichtbaren senkrecht “angeschnittenen” Kinder zeigen sich mit ihren Füssen bereits in der neuen Heimat verwurzelt. Die davor befindlichen Plastiken - getrennt durch die Rezat - zeigen das zerschnittene Elternpaar mit seinen Kindern. Erst auf der anderen Seite des Flusses erkennt man das Gesamtbild des Denkmals. Die durch den Strom des Flusses zerfliessenden Spiegelbilder der Plastiken symbolisieren die langsam schwindende Erinnerung an die österreichische Heimat.

Unten (vom Autor weiss umrandet) sieht man das Gesamtbild: Eine Familie mit ihren Kindern - der Vater mit der Bibel in der Hand. 46 vertriebene österreichische Protestanten siedelten Mitte des 17. Jahrhunderts in Bechhofen an.

HALLEIN, SALZBURGER LAND, ÖSTERREICH

Diese Erinnerungen findet man in Bad Dürrnberg bei Hallein. Dort trafen sich die ersten Protestanten heimlich im nahen Abtswald auf dem Dürrnberg um im Verborgenen ihre Gottesdienste abzuhalten. Heute weist ein nach den Protestanten benannter Weg in die Wald.

Obige Holztafel erinnert an die heimlichen evangelischen Andachten am “Predigtstuhl” im Dürrnberger Abtswald. Rechts der Predigtstuhl im Abtswald.

RADSTADT, SALZBURGER LAND, ÖSTERREICH

In Radstadt am Tauerngebirge findet man ebenfalls eine kurze Information über das Schicksal der im 18. Jahrhundert von dort ausgewanderten evangelischen Bürger:

Kleine Schaukästen in Radstadt im Salzburger Land erinnern an die über 4.000 Protestanten, die man in den Jahren 1731/32 aus der Stadt - überwiegend nach Ostpreussen - vertrieben hatte.(Linkes Foto: Danke an Manfred K.)

FILZMOOS, SALZBURGER LAND, ÖSTERREICH

Bei der Emigration der Salzburger Protestanten im Jahr 1732 war auch ein Vorfahre der Dichterin Agnes Miegel unter der den 20.000 Auswanderern. Am 13. Mai 1988 wurde in einer Feierstunde an der Oberhofalm in Filzmoos vom damaligen Landeshauptmann Wilfried Haslauer eine Gedenktafel enthüllt. Auf der Tafel kann man im Hintergrund die Küstenlinie von Pommern bis nach Ostpreussen erkennen.

HAMBURG, DEUTSCHLAND

Im Hamburger Stadteil Harburg stand früher in der Strasse “Salzburger Häuser” ein sogenanntes Emigrantenhaus. Hier wurden im Jahre 1733 insgesamt 42 ausgesiedelte Protestanten aus Berchtesgaden untergebracht, die über Hannover nach Hamburg geflohen waren. Seit der Renovierung des Gebäudes im Jahr 1993 wird im Innenhof mit einem Mahnmal dem Schicksal dieser Menschen gedacht. Zwei vom Künstler Knud Knabe geschaffene Bronzesäulen symbolisieren ein Tor als “Pforte der Erinnerung”. In das Pflaster ist kreisförmig der erste Vers des Exulantenliedes eingemeisselt.  “Bin ein armer Exulant, a so thu I mi schreiba ... “

Oben: Die Salzburger Häuser in Hamburg-Harburg. Rechts daneben: Die 2003 erfolgte Errichtung einer weiteren Tafel am Denkmal durch den Salzburger Verein e.V., welche zusätzliche Erläuterungen zur Aufnahme der Salzburger gibt.

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